Der Lürikmeister schreibt nicht mehr

Karl Stellmacher, gen. Lürikmeister Mit dieser Betreffzeile meldete sich Susanne K. aus Münster zu Wort, kaum dass Frolln Schmoll zuvor mitgeteilt hatte, »ich weiß nicht, wie ich’s Ihnen sagen soll, aber leider habe ich die traurige Mission, Ihnen mitzuteilen, dass nun auch der Herr Lürikmeister das Zeitliche gesegnet hat.«

Och! Och! Können wir ausschließen, dass ein gewisser Kunstdirektor sein Dasein in den Vereinigten Ewigen Jagdgründen von Paradies, Jenseits, Olymp, Elysium, Nirwana, Eldorado und Holterdiepolter etwas langweilig fand und ultimativ nach einem adäquaten Trink-, Rauch- und Gesprächspartner verlangte?

Karl Stellmacher gen. Lürikmeister wird unvergessen bleiben ob seiner fulminanten Fremdworterklärungen, grimmigen Sottisen zum Zeitungeist (»Jungheydriche« über eine gewisse Frisurenmode), aufschlussreichen Kalenderblattweisheiten und natürlich seiner unermüdlich angefertigten Zweitvermachungen, deren historisch letzte hier nochmal zu lesen sein soll: (sic!)

Zweitbeweinung

Zum letzten Geleite

Tritt jetzt auf die Totmannbremse,
Halt das Besserwissen an.
Hier am toten Arm der Themse
Fängt die Chiffonade an:

Auf dem Abschied liegt ein Fluch
Als ein großes Chiffontuch
Und die Besserwisserkammer
Ist erfüllt vom Abschiedsjammer.

Legt nun an die Trauerbinde
Von der Greisin bis zum Kinde.
Hebt mit dem Wehklagen an,
Säugling oder alter Mann.

Besserwisserspiel, ade!
Ach, dein Scheiden tut so weh.
Unser gutes Besserwissen -
Wird die Welt es wohl vermissen?

Werden wir uns wiedersehn?
Wenn auch wir ins Jenseits gehn?
Was hat es mit uns gemacht?
Wenn es heißt: »Es ist vollbracht?«

Wir wissen nicht allzuviel über ihn, außer dass er voller Anekdoten und Sprüchen steckte wie ein Hund voller Flöhe, dass er ein kundiger und unterhaltsamer Erklärbär war, wenn man mit ihm auf einer Hafenfähre die Elbe entlangtuckerte: Häuser, Menschen und ihre Geschichten hatten es ihm angetan. Tja, und dann war da noch der Tipp, wie man einen robusten Trinkabend am besten übersteht: alle fünf Bier ein großes Glas Wasser einschieben - et voilá!
Möge er also weder Durst noch Hunger leiden und allemal einen Aschenbecher hingestellt bekommen nebst erfreulicher Gesellschaft, dort bei jenem Anderen Luschtigen Wirt!

Postskriptum

Gute Nacht Auf Wiederseh'n - eingesandt vom Lürikmeister Liebe Besserwissende, ohne die zwei Granden will ein Treffen im wirklichen Leben keinen Sinn ergeben. Ich denke, Sie verstehen das. Im Oktober werde ich aus Mannheim wegziehen und damit ein weiteres Kapitel beenden.
Damit die Botschaft die Runde macht, habe ich die mir bekannten E-Mail-Adressen von früheren Kommentatorinnen auf dieser Seite dafür verwandt, dass Sie über neue Beiträge und Kommentare benachrichtigt werden. Bitte lassen Sie mich wissen, ob Sie da rausgehalten werden wollen.
Mit den Freunden des Kunstdirektors in Saarbrücken ist – seinem eigenen Wunsche und seinen Vorbereitungen entsprechend – vereinbart, dass es eine Veröffentlichung der Besserwisser-Novela geben soll. Das Projekt wird erst 2017 angegangen und ich kann mir vorstellen, dass es eine um weitere Besserwisserspiel-Serienbeiträge erweiterte Fassung geben wird.

Die Besserwisserspielseite wird es weiter geben und Sie erreichen mich hier über Kommentare und die übliche E-Mail-Adresse.

Herzliche Grüße
Bernd Oehler
FacMan
 

Kommentare

Karl S. ist vor 10 Tagen ganz plötzlich gestorben.
Ende Juli war ich noch in Hamburg, und wir haben uns mehrfach getroffen.
Zuletzt am 31. in der Galerie der Gegenwart zu einem schönen Mittagessen.
Von seinem Tod habe ich nur erfahren, weil ich mir wegen ausbleibender
Rückrufe Sorgen machte und jemanden vor Ort angerufen habe.
Über die Todesnachricht hinaus weiß ich nichts, nicht einmal, wann und wo
die Trauerfeier/Bestattung war oder sein wird. Ich hörte, dass Freunde sich
kümmern. Das ist gut.
Weder Frolln Schmoll noch ich sehen uns zu einem Nachruf in der Lage. Wir
waren uns aber einig, dass die Besserwissergemeinde von Karl S.' Tod erfahren
muss.
Die Betreff-Zeile flog mich an, als ich noch kurz über einen gereimten
Nachruf nachdachte, doch was hätte folgen sollen?
Es grüßt Sie herzlich
Susanne K.

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P.S. Der Kommentar wurde vorübergehend herausgenommen und nun erneut eingestellt.
FacMan Konrad

Liebe Frau K.,

vielen Dank für Ihre Nachricht - ich hatte sie einstweilen zurückgezogen, um eine ausführlichere Würdigung des Lürikmeisters aufzuschreiben und ich war noch gesundheitlich gehandicapt.

Herzliche Grüße
Bernd Oehler

Dass der Besserwissergemeinde jetzt auch der Lürikmeister fehlt, der sich auf leisen Sohlen zum Kunstdirektor begeben hat, macht eine Abschlussfeier in der Tat sinnlos. Ich will mich kurz fassen, denn so gut, wie der Lürikmeister, der durch alle Genres fegte, sie lustvoll persiflierte und selbst vor dem armen Bammental nicht halt machte, kriege ich das nie im Leben hin. Kunstvoll und mit einer unvergleichbaren Leichtigkeit: Das war einfach schön. Der Traum von einem Kennenlernen in Mannheim ist zerstoben, aber ich denke an die, deren Verlust viel schwerer wiegt. Ihnen wünsche ich viel Kraft.

Seit zwei Wochen lebt der Lürikmeister nicht mehr. Und ich habe das immer noch nicht wirklich verstanden. Immer noch denke ich, ich muss ihn doch nur mal wieder anrufen, vielleicht beim Luschtigen Wirt treffen. Das geht doch nicht, dass er einfach nicht mehr da ist.

Und doch geht das leider. Wahrscheinlich hätte er es auch lieber gewollt, einfach weg sein und sich nicht über Monate hinweg immer hinfälliger zu verabschieden. Ein freundliches Tschüß und gut.

Also, behalten wir ihn als einen großartigen Entertainer und einen der ganz wenigen Menschen in Erinnerung, die sich tatsächlich zu allem und jedem eine wohldurchdachte eigene Meinung gebildet haben, der man meist nur zustimmen konnte.

Um es mit seinen eigenen Worten zu sagen:

Gib mir den Wodka

Und dann lass mich sein.

Denn Wodka ist freundlich

Und Du bist gemein.

Machenses gut, unvergessener Herr Lürikmeister!

Das weiland Besserwisserspiel lebte von den Teilnehmern und ihren Eingesandts, sein unverwechselbares Profil aber machten die Eckpfeiler der Besserwisserei aus, der Facman mit seiner geschliffenen redaktionellen Aufarbeitung, der Kunstdirektor mit seiner Novela, das Schmollfrolln mit den immer neu angesetzten Ansprachen aus Hamburg an Gott und die Welt und last but not least der Lürikmeister mit seinem ewig weisen Poesiealbum in bester Tradition von Ringelnatz, Morgenstern und Co.

Seine schrägen Ideen einer purzelbaumschlagenden Phantasie, sein worterfindender Witz, der um Ecken kommt, die es eben noch nicht gab, machten ihn zum Leuchtturm der Besserwisserei.

Wir betrauern einen weiteren unserer Helden und können seinen Tod nicht begreifen, denn dank Archiv und Schmollswinkel  ist er in seinen Texten gegenwärtig . Gleichwohl schwang außer im "letzten Geleite" z.B. im "Zippus zappzarapp" und im "Allgebeinbissen" ("Gebissgebein") wohl auch schon eine Art Auseinandersetzung mit dem Wissen um die eigene Endlichkeit mit...

Ich traf ihn niemals persönlich, habe ihn aber als Kopf und Mensch, wie er sich in seinen Texten darstellte, mit freundschaftlichem Respekt hoch ge- und verehrt. Nach dem Kunstdirektör ging nun auch der Lürikmeister, und ich stimme dem Herrn Facman zu, dass ein Besserwissertreffen nun erst recht keinen Sinn mehr hat.

Ich bin dankbar, dass ich eine Weile Teil der Gemeinde sein durfte, und denke gern und mit freundschaftlichen Gefühlen an die Zeit mit Euch zurück. Der Kunstdirektor, der Lürikmeister und das Besserwisserspiel: mögen sie in Frieden ruhen. -

 

Die kleine Besserwisserwelt, das Spiel, das so viel Freude machte, das anspornte zum Tüfteln, zur Wortakrobat-, Wortsemant- und Komik, plötzlich nicht mehr belle, nur noch Trist- und Tragik. So traurig ohne meisterliche Lür- und Kunstdirektorik. Da stirbt auch die Dynam-, zurück bleibt nur Histor- und der letzte Mohik, aner oder kaner.

Um mit Georg Kreisler zu sprechen: Leider kannte ich niemanden von all den kreativen Dramatik-, Akademik-, Romant-, Zynik-, Exzentrik- und Polemikern persönlich. Sehr schade drum.

Wenn aber aus der Republik mal jemand nach Augusta Vindelik kommt, würd’s mich freuen. 

Ein bisschen schwermütig, aber immer  streitlustig grüßt Eva Streit aus Augsburg.

Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Das ist einfach nur traurig. Hätte nun gerne etwas zum Nachruf geschrieben, zum Beispiel ein hübsches Gedicht...aber in meinem Hirn ist es einfach nur leer. Ich bewunderte ihn sehr, seine unerschöpfliche Kreativität. Wie er scheinbar mühelos aus dem Nichts heraus ein Poem nach dem anderen aus dem Ärmel schüttelte. Dabei alle Spielformen, vom allerhöchsten Nonsens bis zu den abgründigst-tiefen Lebensweisheiten beherrschte.

 Gerne hätte ich ihn kennengelernt. Sie alle hätte ich gerne kennengelernt, aber das lässt sich nun nicht mehr bestreiten, das Besserwisserspiel hat seine zwei wichtigsten Säulen verloren.
Einziger Lichtblick in der trüben Nachrichtenlage: wenn es tatsächlich gelingen sollte, die Besserwissernovela unseres geschätzten Kunstdirektors einer Publikation zuzuführen. Das wäre mehr als verdient! 

Ich werde zum Abschied den Zirbengeist hervorholen und das Glas hochheben. 
RIP, Herr Lürikmeister! Sie werden jetzt auf einer Wolke sitzen und täglich die Engerl mit einem Poem erfreuen, da bin ich mir ganz sicher.

Rot und grün wippen
auf der Elbe die Tonnen
dem Lürikmeister.

Darüber hätte er sich mit Sicherheit sehr gefreut.

Der Künstdirektör hätte am 21.01. Geburtstag, ein schöner Anlass, auf ihn und den Lürikmeister anzustoßen: versuchen wir ein virtuelles Besserwissertreffen!

Wenn wir am Samstag gemeinsam unsere Gläser erheben, naja, jeder bei sich, aber ungefähr gleichzeitig, dann wissen wir: wir denken an die verblichenen Granden, die uns ungeheuer fehlen, an schöne, fruchtbare Jahre des gemeinsamen Besserwissens - und damit auch an uns.

Ein kleines "Prost-Ihr-Lieben"-Posting im "www.schmollswinkel.de", optimal ein Selfie mit Lieblingsgetränk an "frollnschmoll@schmollswinkel.de" geschickt und vom gnä Schmollnfrolln flugs online eingebaut, das hat doch was von Gemeinschaft, fast, als säßen wir zusammen... und ganz ohne Terminzoff und Reisestress!

Ich bin gespannt, wer dabei ist, und freue mich auf Euch!
 

Liebe Besserwisserinnen und -außen,

ich fordere Sie hiermit auf, obiger Auforderung nachzukommen. Es wäre doch schade, die Herren Kunstdirektor und Lürikmeister so sang- und klanglos zu verabschieden. 

Also: Trinken Sie mit uns. Am Samstag, So gegen 20:00 Uhr. Schicken Sie mir Ihre Fotos, wenn Sie nicht erkannt werden möchten, verfälsche ich sie auch gern, und stoßen Sie mit uns auf die verblichen Altmeister an. Kommentare können Sie im Winkel direkt oder per E-Mail an mich senden.

Na los! Einmal noch! Das schaffen wir!

Ich freue mich auf Sie!

Freut sich Ihr Frolln Schmoll auf Sie

Werte Besserwissergemeinde,

am Geburtstag des unvergessenen Kunstdirektors habe ich mit meiner Frau auf ihn das Glas geleert, siehe einschlägiges Foto.

Doch ich möchte auch ein Glas meines besten Whiskys auf den genialen Lürikmeister leeren, wenn mir jemand das Datum seines Geburtstages mitteilen könnte.

Mit besten Grüßen

Arno Erich C. aus Tremonia

 

Vielliebe Mit-Besserwisser oder Besser-Mitwisser,

leider fand ich nirgendwo in den Weiten des Internetzes eine Traueranzeige für unseren unvergessenen Lürikmeister.

Ich habe keine Ahnung, wie er lebte, ob er als ganz einsamer Witwer oder auch Hagestolz gestorben ist und wieso in keiner Zeitung Hamburgs eine Anzeige zu finden war.

Frolln Schmoll kannte ihn wohl am besten und könnte vielleicht Auskunft geben.

Eine solche wäre sehr tröstlich für mich.

Mit besten Grüßen

Arno Erich C. aus Tremonia

 

es war der ausdrückliche Wunsch des Herrn Lürikmeister, dass es keine Anzeige und keine Trauerfeier geben soll. Er wurde im engsten Kreis anonym beigesetzt.

Sein Geburtstag war der 10. Mai und auch, wenn es eigentlich so gedacht war, dass wir im Januar beiden verstorbenen Granden gedenken, spricht natürlich nichts dagegen, im Mai noch einmal die Gläser zu erheben.
Das kann man ja auch eigentlich gar nicht oft genug tun…

Findet jedenfalls Ihr Frolln Schmoll

Hochverehrte Besserwisser- und -Innen!
Bevor dieses Forum hier endgültig zum einer Abraumhald von dubiosen Spamablagerungen versandet, nutze ich es lieber schamlos aus, um eine Werbung in eigener Sache zu verkünden. Jetzt ist es fix! Die Fortsetzung meines historischen Abenteuerromans "Der Hort der Gepiden" erscheint im Oktober und darf als Vorankündigung jetzt schon bewundert werden auf meinen diversen Heim-Seiten:

https://ulla-puntschart.jimdo.com/
https://www.facebook.com/Ulla-Puntschart-514575515362317/
https://www.facebook.com/people/Ulrike-Schuster/100012154842796

Ich bin sehr glücklich und erleichtert, dass es gelang, die Weiterführung dieses Elaborats in die Wege zu leiten - und ich konnte es nunmehr mit einem ganz neuen und wahrhaft martialischen Cover versehen, wie es sich für einen echten Gepidenroman gehört! Doch ganz besonders bedanke ich mich bei unser allen hoch geschätzten Besserwisser-Kollegen Michael G. "aus Berlin-Gepidenfanburg" der mir zum Anlass des ersten Bandes die wunderbaren aufmunterndend Worte schrieb:

Hochgeschätzte Ulrike/Ulla, ich bin durch. Durch mit dem ersten Band, und mein Fazit ist: her mit der Fortsetzung!! In der Tat: Es ist Ihnen gelungen, ein gut lesbares Historiengemälde zu entwerfen, das den Leser auf die Fortsetzung neugierig macht. Das hat auch ein bisschen damit zu tun, dass man eine kleine Weile braucht, um die zeitlich und räumlich verschränkten Handlungsstränge und Personengruppen zu sortieren (aber das ist ja üblich und sicher auch Absicht), aber auch damit, dass keine der Handlungsebenen zu einem nachvollziehbaren (wenn auch vorläufigen) Ende geführt wird, und so fühlt sich der Schluss des Buches nicht wirklich an wie ein Schluss.

Wäre dies Buch ein in sich abgeschlossenes Werk, würde der Leser etwas unbefriedigt nach Hause geschickt, so aber ist das nur das Ende eines Kapitels in einem längeren Werk, das leider (noch) nicht vollständig verfügbar ist. Also immer weiter munter fabuliert und her damit! Sie dürfen mich getrost auf die Vormerk-Liste für die sämtlichen weiteren Bände setzen (wer weiss schon, ob sich die Geschichte nicht irgendwann verselbständigt und weiter, länger, breiter aus Ihnen heraus strömt als ursprünglich geplant?). Ich bin gespannt. Lassen wir uns einfach überraschen, und in der Zwischenzeit schreiben Sie mal schön weiter...

Diesen Rat habe ich beherzigt! Vielen Dank. Und nun hoffe ich, dass die sich ankündigende Fortsetzung wohl auch dem gestrengen Augen der professionellen Besserwisser standhalten mag.

Einstweilen jedoch grüße ich die Besserwissergemeinde mit beiden Händen winkend aus einem subtropischen backofen-heißen Graz,
Ulrike S / Ulla P

ja, diese schrecklichen domperidone-Verkäufer! Und die Hitze! Und überhaupt: die Zeitläufte, die Trumpisten, Lepenisten, Afdisten! Und der Zeitmangel! (Die Zahl der zu begroßväternden Enkel wird sich alsbald verdoppeln - ein Grund dafür.)
Nächstes Jahr wird angeblich alles besser: die Deutsche Bahn verliert einen Pendler zwischen Koblenz und Mannheim. Das Finanzamt verliert einen Steuerzahler, die Rentenkasse gewinnt einen Rentenempfänger. Das Kunstdirektorenbuch kann angegangen werden. Ich werde mehr Zeit haben um den überlebenden Besserwissern hin und wieder Aufmerksamkeit zu schenken.

So soll es sein, so wird es sein!

Ihnen Ihr
Bernd Oehler
FacMan