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Der Kunstdirektor ist tot

Kunstdirektor Wernère »Dewi« Dewerth Ach, was soll man sagen: heute Vormittag erreichte mich die Nachricht, dass Kunstdirektor Wernère »Dewi« Dewerth in Saarbrücken seinem Krebsleiden erlegen ist. »Mach dir nicht zu viele Sorgen« schrieb der Gute noch zu Weihnachten 2015, aber er berichtete auch von Umständen und Tatsachen, die wenig Zuversicht erlaubten.
»Lieder von Leben und Tod« stand da tatsächlich über einem Artikel der Saarbrücker Zeitung am 18. April, vor etwas über einem Monat. Es ging um die CD-Veröffentlichung eines Didi Conrath alias Captain Sperrmüll, der – so der Artikel – unlängst »dem Tod von der Schippe« gesprungen sei und weiter sei es »deshalb auch kein Zufall, dass das Cover von Dewi Dewerth gestaltet wurde, einem Mann, an dem Didi Conrath neben seinen Grafiker-Fähigkeiten vor allem eins bewundert: seinen „unverwüstlichen Humor“.« Wem sagt man das.

Vor zwölf Jahren, in der Runde vom 14. bis 27. Mai 2004 erschien die Urfassung dessen, was später die Besserwisser-Novela wurde und uns mit Hermann Sibljak, Oskar Razemat, Lenore Becker und vielen Anderen bekanntmachte; 267 weitere Folgen lang unterhielt uns Dewi mit Schnurren und Geschichten aus dem Nauwieser Viertel, seiner kunstdirektorischen Heimat. Bereits zwei Jahre zuvor war sein erster Beitrag im Besserwisserspiel erschienen und – klar – hatte er sich damit seinen ersten Fremdwörterduden verdient.
Das Foto zeigt Dewi im Carl-Benz-Stadion in Mannheim, am 13. September 2014 beim Spiel des SV Waldhof Mannheim gegen den 1. FC Saarbrücken – womöglich war es das letzte Spiel des FCS, das er sich angeschaut hat, denn der Fan in ihm war müde geworden, er schien des Profifussballs überdrüssig. Nicht überdrüssig war er unserer Aktivitäten nach dem Spiel: »gudd gess« (und gut gesoff) war dem Saarländer in ihm allemal was wert.
Er wird als Kunstdirektor, als Regisseur der Besserwisser-Novela und Lektor von Guido Knopps kleinem Archäologienotizbüchlein unvergessen bleiben – oder in seinen Worten in der Novela No. 268:
»Adieu, werte Besserwissergemeinde, die ich euch viele Jahre gebeten habe, dran zu bleiben. Im Namen aller Akteure danke ich für die Aufmerksamkeit, entschuldige mich, wenn ich eure wertvolle Zeit vergeudet habe und gelobe Besserung. Wo auch immer. Vielleicht irgendwann in Mannem. Na, der kriegt was zu hören, der Facman oder wie der die ganze Zeit hieß. Würde mich freuen, euch zu sehen.
So long,
euer Kunstdirektor Wernère Dewi D. aus Saarbrigge.
Ach ja, schöne Grüße noch von Guido Knopp und Fletcher Christian.«

Zum Schluss noch das oben erwähnte CD-Cover:
Geiles Leben
Ah jo!

http://www.hdw1.de/news/trauer-um-dewi/

Dewi in »Viertel vor« Nr. 16/Juli 2015

Anzeige in der Saarbrücker Zeitung

Aus der Fußballgeschichte: der Kunstdirektor als Ernst Huberty.

 

Kommentare

... ruhen alle Hoffnungen auf ein vollständiges Beieinandersein der Besserwisser.

Möge der Kunstdirektor seine Besserwisser-Novela nun mit transzendenten Episoden füllen, wir werden sie im diesiegen Diesseits nicht lesen können und ihn dafür umso mehr vermissen.

... lieber Herr FacMan,
für diesen schönen und passenden Nachruf.
Mir selbst fehlen erstmal die Worte, aber ich unterschreibe jedes der Ihren.

Ein Besserwissertreffen sollte auf jeden Fall stattfinden – jetzt erst recht! Aber vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.
Es soll ja keine Trauerfeier werden. Und ich glaube fest an eine möglichst baldige und vollständige Genesung des Herrn Lürikmeister, ohne den ich mir ein solches Treffen auch nicht recht vorstellen mag.

Und jetzt werde ich ein Gläschen 103 Bobadilla auf den Kunstdirektor trinken. Oder zwei...

Ihr Frolln Schmoll

Lieber Herr FacMan,

auch ich möchte mich dem Dank von Frolln Schmoll für Ihren einfühlsamen Nachruf auf den verehrten Kunstdirektor anschließen. Seine Novela habe ich heiß und innig geliebt und konnte es kaum erwarten, was in der nächsten Folge wohl Überraschendes passieren würde. Er fehlt mir sehr. Ich bin traurig, ihm zu Lebzeiten nie persönlich begegnet zu sein.

Das Besserwissertreffen sollte nicht ausfallen, denn das wäre wohl nicht im Sinne des werten Verstorbenen gewesen.

Meine besten Genesungswünsche gelten dem hoch geschätzten Herrn Lürikmeister. Möge er bald wieder bei Kräften sein, ich möchte ihn wohlbehalten wiedersehen.

Mit herzlichen Besserwissergrüßen

Ihr Arno Erich C.

Auf Twitter schrieb er 2010 seinen ersten und einzigen Tweet: "Die Welt braucht mich!" Und so war es auch - wir hätten alle gern noch mehr, viel mehr von ihm gehört oder gelesen. Ich bin wie Ihr sehr traurig, aber auch dankbar für die Zeit, die er als Kunstdirektor mein Leben heiterer gemacht hat. Wenn er nun seinen elektronischen Daumen benutzte und als Anhalter zu anderen Galaxien reist (um "seine Besserwisser-Novela nun mit transzendenten Episoden" zu füllen), bleibt zu hoffen, dass er wenigstens ein Handtuch dabei hat. Danke dem Herrn Facman, meinen Vorrednern und dem hochgeschätzten SchmollnFrolln für Text und Rose. Ein Besserwissertreffen kann ich mir derzeit nicht recht vorstellen, aber mit etwas Abstand und wenn der Herr Lürikmeister zurückkehren kann in den Kreis der Erheiterer, wer weiß, vielleicht dann... Ich grüße alle verbliebenen Besserwisser und -Innen, Ihr Michael G. aus Berlin-Charlottenburg

'Warum hast du noch keinen Nachruf auf den Kunstdirektor geschrieben?' - 'Nu. wird er einen auf mich schreiben?'
Da sieht man schon, ich bring nicht einmal einen gescheiten Anfang zusammen. Könnte der Kunstdirektor darüber lachen? Ich weiß es nicht. Ist ja nicht einmal ein Original wie die Novela, für die ich mich nicht einmal mehr persönlich bedanken kann.
Wenn ich das jetzt beim Herrn FacMan und allen BesserwisserInnenundAußen tue, so heißt das nicht, dass ich ein Nichtzustandekommen des Treffens erwarte oder deren (oder mein) Hinscheiden vor selbigem befürchte. Manches sollte man einfach öfter tun weil's gut ist - nicht nur, damit man's rechtzeitig getan hat.
Wenn ich schon dabei bin:
Noch fehlen dem Herrn Lürikmeister
a paar von seine Lebensgeister.
Sie mögen baldigst wiederkehren,
es woll'n nicht auch noch ihn vermissen
all jene, die es besser wissen.
(Er soll sich bitte nicht beschweren - mir fehlt ein Reim auf 'wiederkehren')

Ihr Christian R. aus P. (davor W. und davor ein anderes P.)

Auch jetzt, nach knapp einer Woche, fällt mir nichts Gescheites ein, vielleicht, weil ich gar nichts Gescheites daran finden mag, dass der Kunstdirektor nicht mehr bei uns sein wird. Ich hätte ihn gerne kennengelernt, genau wie den ganzen Rest der Bande (pardon), mit der ich unbekannterweise so gern Zeit mit, zwischen und neben den Wörtern verbracht habe. Machen Sie's gut, Wernère Dewi. Falls es die Wolke geben sollte, auf die man sich nach dem Ableben setzen darf: ein Bier müssen wir dort unbedingt miteinander leeren. Oder zwei oder drei...

Mir geht es wie Ihnen, hochverehrter Herr F. Mir fehlen die Worte. Was für eine Welt, in der da keine Kunstdirketoren mehr ihr hohes Amt ausüben, Besserwissernovelas und archäologische Tagebücher unter das Volk bringen! Danke für den Nachruf, ich kann nur mit jedem Satz zustimmen! Ein unvergleichlicher Verlust, ein herber Schlag gegen die gesamte Besserwissergemeinde - und nichts desto trotz, ich würde gerne den "Rest der Bande", um Herrn F. zu zitieren, einmal kennenlernen. So es doch noch sein sollte. Vollinhaltlich schließe ich mich dem trefflichen Gedicht meines Landmanns Christian R. an, mit den besten Wünsche an unseren Herrn Lürikmeister. Vielleicht, irgendwo, irgendwann...

In den letzten 2 Monaten hat sich hier nichts mehr getan. Meine besorgte Frage: Ist das Projekt des Treffens in Mannheim jetzt ebenso verstorben wie unser lieber, unvergessener Kunstdirektor?? Ich habe Zweifel, ob das in seinem Sinne wäre.

Wer das Treffen wiederbeleben bzw. reanimieren könnte, wäre am ehesten der verehrte Herr FacMan. Er kennt sich aus in der Mannheimer Szene, kommt also zuallererst in Frage, eine geeignete Location auszuwählen, da wir Auswärtigen nicht viel Ahnung haben, was für uns Besserwisser der richtige Ort wäre.

Sein nächster Schritt könnte dann sein, zusammen mit Frolln Schmoll und dem Herrn Lürikmeister einen Termin oder eine Termin-Wunschliste einzurichten, aber bitte nicht mit zuvielen Terminvorschlägen, sonst landet alles wieder, wie gehabt, in einer Patt-Situation.

Arno Erich C.